19/08/2019
Nachtrag zum Fall Anis
Zu aller erst müssen wir sagen, dass wir überwältigt davon sind, wie sich die Sache verbreitet. Vielen Dank an all die konstruktiven und zielorientierten Vorschläge und Ideen. Wir werden sicher einige Zeit brauchen, überhaupt alle davon prüfen und lesen zu können. Aber schon heute wird klar, dass es weitere Möglichkeiten gibt, die hoffentlich auch greifen werden. Und noch ist Anis als Arbeitnehmer für unser Unternehmen nicht verloren. Und es ist schön zu sehen, wie viel Mitgefühl, mediales Interesse und Anteilnahme Anis und uns entgegengebracht wird. Dafür ein herzliches Dankeschön!
Was wir bedauern, ist teilweise die Art und Weise des Diskussionsniveaus im Kommentarbereich. Wir haben um Hilfe und Ideen für den Fall „Anis“ gebeten! Es war nicht unsere Intention eine allgemeine Diskussion zum Thema Asylpolitik auszulösen. Daher verstehen wir die Beleidigungen und Anfeindungen gegenüber Anis, uns oder auch gegenüber mancher Kommentarschreiber nicht. Dennoch haben wir keinen Kommentar gelöscht oder zensiert. Bei dieser Fülle von Beiträgen haben wir auch gar nicht die Kapazitäten dafür. Wir verstehen nicht, was Jemanden dazu bewegt oder was die Hintergründe dafür sind, so dermaßen harte und emotionale Bandagen und Beleidigungen auszupacken. Dies zeigt für uns sehr eindringlich, die negativen Nebeneffekte der Welt des Internets. Hier kann jeder seine Meinung kundtun. Die meisten von denen, die am lautesten im Internet schreien, bekommen glücklicherweise im echten Leben den Mund nicht auf. Oder es hört Ihnen sowieso Niemand zu. Aber im Internet hat jeder eine Plattform. Meistens sogar noch anonym. Dies zeugt von großem Mut und großer Persönlichkeit. Wir sind wirklich zu tiefst beeindruckt! Manche haben wirklich sehr wenig Ahnung für so viel Meinung!
Daher möchten wir auch eines klarstellen:
Wir sind keine Rechtsverdreher, Gesetzesbrecher, Gutmenschen, Bahnhofsklatscher oder was uns sonst hier alles nachgesagt wurde. Ebenso sind wir nicht politisch aktiv, gehören keiner Partei an oder unterstützen irgendeine Partei. Weder kommunal, noch auf Landes- oder Bundesebene! Wir sind keine Politiker und wir wollen auch keine Politiker sein!
Wir sind in erster Linie Menschen! Und dies steht für uns im Vordergrund.
Und in zweiter Linie sind wir ein Unternehmen!
Im handwerklichen Bereich spüren wir seit vielen Jahren sehr deutlich, dass es nur noch ganz vereinzelt Jugendliche gibt, die einen handwerklichen Beruf erlernen und ausüben wollen. Dies ist hier in Baden-Württemberg ein Fakt, der nicht von der Hand zu weisen ist. Egal, wie man die Sache betrachten möchten. Von der IHK, der HWK, unseren Verbänden, Genossenschaften und natürlich auch von unseren befreundeten Kollegen bekommen wir genau diese Rückmeldung. Bäcker, Schreiner, Schlosser, Klempner, Gas- und Wassersinstallateure, Maurer, Gipser, Maler, Berufskraftfahrer, KFZ-Mechatroniker und viele weitere handwerkliche Ausbildungsstellen bleiben Jahr für Jahr unbesetzt. Ebenso die vakanten Stellen für die fertig ausgebildeten Kollegen. Warum dauert es denn so lange einen Handwerker zu bekommen, wenn man mal einen braucht?
Um aber unsere Unternehmen am Leben zu erhalten, um Arbeitsplätze anbieten zu können, um Löhne, Gehälter und vor allem auch Steuern bezahlen zu können, brauchen wir Mitarbeiter. Die Hauptsteuerlast dieses Landes tragen die klein- und mittelständischen Unternehmen! Darüber muss man sich bewusst sein.
Wir sind nicht nur eine Nutzfahrzeugwerkstatt, sondern betreiben auch eine Spedition. In unserer Firmengruppe arbeiten viele unterschiedliche Nationalitäten. Obwohl wir ein gutes und überdurchschnittliches Lohn- und Gehaltsniveau haben, suchen wir im Bereich Fahrpersonal, im Bereich Mechatroniker, selbst im Bereich der Werkstattmeister immer wieder händeringend nach Mitarbeitern. Und ja, bei uns arbeiten auch viele deutsche und europäische Kollegen. Aber es werden im Laufe der Jahre, mit der Ausnahme der Verwaltungsmitarbeiter, immer weniger.
Wer rät denn seiner Tochter oder seinem Sohn Berufskraftfahrer, Paketzusteller, Metzger, Müllwerker, Heizungsbauer, Installateur oder Dachdecker zu werden?
Wir leben in einer globalen und vernetzten Welt. Ob man dies wahrhaben will oder nicht.
All Diejenigen, die uns hier erklären wollen, dass diese Menschen nicht willkommen oder erwünscht sind, möchten wohl, dass es bald keine Handwerker und Fahrer mehr geben wird. Aber wer macht dann diese Arbeiten?
Bevor man hierfür keine Lösungen anbieten kann, sollte man sich gut überlegen was und wie man es sagt oder schreibt.
Trotzdem können wir als mittelständische Unternehmensgruppe nicht das gesamte Problem beurteilen, behandeln oder gar lösen. Uns geht es in erster Linie um Anis. Das hat für uns oberste Priorität. Und hierfür werden wir uns einsetzen, ganz gleich, was uns dabei angedichtet wird.
All Denjenigen, die mitfühlend, konstruktiv und helfend auf uns zugekommen sind, möchten wir herzlich danken und versichern, dass wir selbstverständlich mitteilen und darüber informieren werden, wie sich die Angelegenheit weiterentwickeln wird.
Nach diesem Wochenende sind wir hoffnungsvoll, dass es ein für Anis und uns eine zufriedenstellende Lösung geben wird.
Freundliche Grüße
Mahler Unternehmensgruppe
Alexander Meinzer
Geschäftsführer