24/10/2026
Recht-Aktuell vom 24.10.2026
Heute: Der Kontobetrug
Dieses Urteil des EuGH vom 15.10.2026 ist ein Paukenschlag.
Die Rechte betroffener Kunden wurden erheblich gestärkt.
Banken müssen nach einem Kontobetrug ihren Kunden sofort das Geld erstatten.
Sie können zwar versuchen, sich den Betrag zurückzuholen, aber die Hürden hierfür sind nun höher geworden.
Das sind die Details:
1. Der „übliche“ Fall
* wir können es fast täglich lesen und hören
* Kunden werden immer wieder Opfer von sogenannten Phishingattacken
* die Muster sind immer ähnlich:
* Angebliche Bankberater rufen den Kunden an (sogar mit der gespeicherten Telefonnummer der Bank!)
* die vermeintliche Bank schickt E-Mails mit QR-Code oder separatem Link
* Die vermeintliche Bank schickt auf traditionellem Wege sogar einen Brief mit QR-Code und Link
* der Kunde hat keinerlei Argwohn und scannt z. B. den QR-Code
* und zack: Das Konto ist leergeräumt ☹️
* die Schäden liegen oft im hohen fünfstelligen Bereich und können bis zu 100.000 € betragen
* jeder Zehnte war in den vergangenen 12 Monaten von einer Straftat im Internet betroffen (11 %)
* oft geht es um Betrug beim Onlinebanking, Fremdzugriffe auf Online-Accounts und Phishing
2. Die bisherige Rechtslage
* fast immer verweigerten die Banken die Erstattung (sogenannte Blockadehaltung)
* dem Kunden wurde stets grob fahrlässiges Verhalten vorgeworfen
* grobe Fahrlässigkeit ist ein massives, unentschuldbares Fehlverhalten
* einfache Fahrlässigkeit hingegen ist nur ein alltägliches, menschliches Versehen
* die Banken behaupteten, ihre Systeme seien absolut sicher
* der Kunde habe also etwas falsch gemacht und hätte besser aufpassen müssen
* er hätte überhaupt nicht reagieren dürfen.
* wenn er z. B. auf den Link klickte oder den Code scannte, dann war das stets grob fahrlässig
* im Ergebnis musste also der Kunde seine Bank verklagen
* der Kläger musste ja erst einmal darlegen, dass er nichts Falsches oder Verwerfliches getan hatte, dass er also nicht grob fahrlässig gehandelt hatte
* ohne Rechtsschutzversicherung bestand ein großes Prozessrisiko
* die Bank musste zwar im Ergebnis die grobe Fahrlässigkeit beweisen
* für die Bank war aber jegliches Reagieren mit grober Fahrlässigkeit gleichgesetzt
* in diesen Fällen hatte der Kunde dann seinen Schaden selbst nach § 675v Absatz 4 BGB zu tragen
* natürlich hat der Kunde etwas „getan“, aber er dachte regelmäßig, seine richtige Bank stecke dahinter
* vor Gericht hat man sich oftmals „aus der Not“ heraus geeinigt
* oftmals einigte man sich nur auf den hälftigen Betrag, weil die Gerichte die Aussichten vor einer möglichen Beweisaufnahme mit ungewissem Ausgang mit 50:50 bewertet hatten
3. Die neue Rechtslage
* mit der Verweigerungstaktik der Banken ist es nun vorbei
* Grund: Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 15.10.2026 – Az. Rs. C-70/25.
* und das ist neu: Die Banken sind verpflichtet, sofort, d. h. binnen eines Geschäftstages, dem Kunden den verlorenen Betrag zu erstatten
* der Kunde muss die Bank nur unverzüglich informieren, denn ab Kenntnis der Bank läuft die Zahlungsfrist
* die Banken dürfen also ihre bisherigen „freiwilligen Prüfungen“ nicht mehr vorschieben, um nicht zahlen zu müssen
* die Bank kann erst später, in einem zweiten Schritt, versuchen, sich das Geld vom Kunden zurückzuholen
* die Bank muss dann erst einmal beweisen, dass der Kunde einen schweren Fehler begangen hat.
* Nun muss also die Bank gegen den Kunden klagen
* sie muss der Meinung sein, der Kunde habe grob fahrlässig gehandelt, und muss ihm das auch nachweisen
* das wird der Bank sicher immer schwerer fallen.
* zumal die Betrugsmaschen immer besser werden (Stichwort: KI – Künstliche Intelligenz) und die Phishingversuche auch immer echter wirken
* die Fehler der Kunden können daher oft nicht als grob fahrlässig gewertet werden
* von der sofortigen Erstattung gibt es nur eine Ausnahme:
* eenn der Verdacht besteht, dass Betroffene selbst betrügen, und die Bank dies der zuständigen nationalen Behörde schriftlich mitgeteilt hat
4. Tipps
* wenn Euch eine unbekannte oder private Nummer anruft, einfach nicht abnehmen (dann kann man schon mal nichts falsch machen)
* Eure Bank ruft Euch ohnehin nie an
* wenn Ihr per E-Mail oder per Brief scheinbar von Eurer Bank kontaktiert werdet, prüft die Echtheit der Schreiben immer ganz genau
* ruft lieber einmal mehr bei Eurer Hausbank an und vergewissert Euch, ob die Schreiben echt sind
* im Zweifel sucht direkt die Bank zur Klärung auf
* informiert insbesondere auch z. B. Eure Eltern und Großeltern, damit ihnen kein Schaden entsteht
* wenn es dann doch passiert ist, lasst sofort das Onlinebanking und die Karten sperren
* informiert danach die Bank über die nicht autorisierten Zahlungen und fordert sie zur Erstattung auf
* wenn keine Zahlung erfolgt, solltet Ihr einen Rechtsanwalt einschalten
* Anwaltskosten sind auch als sogenannter Verzugsschaden zu zahlen, ebenso wie z. B. Verzugszinsen
* sichert alle Beweise: Nachrichten, E-Mails, Kontoauszüge und alle weiteren Unterlagen
5. Fazit (auch subjektiv)
* dieses sehr verbraucherfreundliche Urteil ist nur zu begrüßen
* u. E. hätten auch die deutschen Gerichte selbst darauf kommen können 😉
* dieses Urteil ist sofort für deutsche Banken bindend und von den Gerichten zwingend anzuwenden
* da es bereits eine EU-Richtlinie (PSD2) gibt, bedarf es keines weiteren deutschen Gesetzes, um die Wirkung entfalten zu lassen
* das Urteil haben wir einer Bankkundin, einem Opfer aus Polen, zu verdanken
* fiese musste ihre Bank verklagen, und das polnische Gericht legte den Fall dem EuGH zur Klärung vor
* zu hoffen bleibt, dass die Banken von ihrem bisherigen, doch sehr hohen Ross herunterkommen
* der EuGH hat den Spieß jetzt umgedreht.
* jetzt müssen sich die Banken kümmern und gut überlegen, ob sie klagen wollen.
* sie sind beweisbelastet und müssen mit den Kosten in Vorleistung gehen
* es ist also praktisch eine Beweislastumkehr erfolgt
* bisher musste der Kunde ja darlegen und beweisen, dass er nicht grob fahrlässig gehandelt hatte, weil die Bank ihm genau das vorwarf
* Weil die Bank nun Klägerin ist, hat sie die volle Darlegungs- und Beweislast.
* sie muss also Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit beweisen und auch noch nachweisen, dass ihre Sicherheitsverfahren absolut dem Stand der Technik entsprechen
* dann sind wir mal gespannt, ob die Banken sich bei den nächsten Fällen daran halten …
Diesen aus unserer Sicht sehr wichtigen Fall wollten wir Euch nicht vorenthalten.
Wir hoffen, dass niemand von Euch Opfer dieser Betrüger wird.
Wenn doch, dann wisst Ihr, an wen Ihr Euch wenden könntet. 😊
Wir wünschen Euch ein wunderschönes Wochenende.
Noch ein kleiner Tipp: Damit Ihr am Montag nicht eine Stunde zu früh bei der Arbeit erscheint, vergesst nicht, am Sonntag die Uhr zurückzustellen! 😉
Eure Rechtsanwälte
Thomas Krafczik & Kathrin Bliefert
Quellen:
tagesschau.de vom 15.10.2026
telespiegel.de vom 16.10.2026
br24.de vom 18.10.2026
Ostseezeitung vom 20.10.2026